| schandfleck.ch_textkritik/2007/märz |
david
manuel kern
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Philip Roth - Jedermann |
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Philip Roths' zweitausendsechs erschienener Kurzroman Jedermann handelt vom Sterben. Und vom Leben davor im Angesicht des unaufhaltsamen Todes. Es handelt von der Vergänglichkeit der Dinge, der Menschen, die man liebt, den Begeisterungen, denen man sich einmal verschrieben hat. Das ist vorerst nichts Neues. Man denke an Bernhards Lachanfall "Im Angesichts des Todes ist alles lächerlich", man denke an Pascals großer Resignation: "Entsetzlich ist es, zu spüren, wie alles, was man besitzt, zerrinnt." Und doch unterscheidet
sich Roths' Auseinandersetzung von all den vorhergegangenen. Er schildert
die Lebensgeschichte Jedermanns in einer melancholischen Nüchternheit,
die schlussendlich von einer essentiellen trostlosen Unveränderlichkeit
ausgeht: Jedermann wird sterben. Dieser Satz ist wortwörtlich zu
verstehen. ""Wissen Sie, warum sie sich so aufführt?"
"Ich glaube schon", flüsterte er zurück, womit er
meinte: Weil es für sie nicht anders ist als für mich, seit
ich ein kleiner Junge war. Weil es für sie nicht anders ist als
für jeden. Weil der Tod die größte Beunruhigung des
Lebens ist. Weil der Tod so ungerecht ist. Weil der Tod, wenn man das
leben einmal gekostet hat, einem alles andere als natürlich vorkommt." Natürlich,
wie so oft, hat auch dieses Werk Schwächen. Die durch das gesamte
Buch sich ziehenden Aufzählungen aller Krankheiten, die den Menschen
befallen können, lassen den Leser stutzig und ein wenig hilflos
zurück. Die bemerkenslose Sprache (die jedoch die rasche und darum
so mitempfindende Lektüre unterstützt) verträgt sich
wenig mit den zum Teil hölzernen Dialogen: Doch eines wird niemals vergessen, in keiner Zeile dieses kleinen Büchleins: Die große Angst vorm Tode. Und doch finde ich keinen resignativen Nihilismus darin, vielmehr ein Hinnehmen, auch wenn die Verzweiflung Überhand ergreift. Denn trotz Furcht und Elend und bittere Verwelkung und Vergänglichkeit, deren Existenz und Stimmung diese Geschichte um jedermann keinesfalls ausblenden möchte, steht geschrieben: "Der Tod ist bloß der Tod - sonst nichts." |
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